Bitcoin ist Information. Vorausgesetzt, du verwahrst die privaten Schlüssel selbst und bewahrst sie an einem sicheren Ort auf. Solche Backups können in vielen Formen daherkommen: vom Aufschreiben der Wiederherstellungswörter auf Papier, über die bequeme Speicherung auf microSD-Karten, bis hin zu langlebigen Optionen aus Edelstahl.
Ein sehr spezieller Ort, um die Seedphrase zu speichern, ist jedoch… das Gehirn. Wie jede Information kannst du dir die Wiederherstellungswörter in der richtigen Reihenfolge merken, um deine Bitcoin immer bei dir zu haben. Solange niemand Gedanken lesen kann, kann auch niemand auf das Backup zugreifen. Dieser Ansatz klingt oberflächlich betrachtet zunächst nicht schlecht, bringt aber ein enormes Risiko mit sich…
Bitcoin vergessen
Wenn es darum geht, den Zugang zu den eigenen Ersparnissen wiederherzustellen, stellt es ein erhebliches Risiko dar, wenn das Gehirn zum „Single Point of Failure“ wird. Die Möglichkeit, die eigenen Coins buchstäblich zu vergessen, sollte nicht einfach abgetan werden, nur weil man “sich Dinge gut merken kann“ oder „regelmäßig übt“. Fassen wir kurz zusammen, warum es eine schlechte Idee ist, die eigene Seedphrase ausschließlich im Kopf zu behalten.
Gedächtnisspanne
Das menschliche Gehirn ist im Durchschnitt ziemlich schlecht darin, sich zufällige Zahlen- oder Wortfolgen zuverlässig zu merken. Je länger die Sequenz, desto schwieriger wird es. Leider ist eine Bitcoin Seedphrase genau das: zufällige Wörter, ohne wirkliche Bedeutung was Reihenfolge oder Kontext anbelangt.
In einfachen “Digit-Span-Tests”, bei denen die Gedächtnisspanne daran gemessen wird, wie viele zufällige Ziffern man auf Anhieb wiederholen kann, liegt das Ergebnis meist bei der magischen Zahl Sieben. Manche erreichen 9 oder 10, andere scheitern bereits bei 5 oder 6. Zum Vergleich: 12 Wiederherstellungswörter einer Bitcoin-Wallet entsprechen einer Zahl von fast 40 Ziffern, während 24 Wörter fast 80 Ziffern entsprechen. Natürlich sind Wörter leichter zu merken als willkürliche Zahlen, aber die Kernaussage bleibt: Unser Gehirn ist für eine solche Aufgabe von vorneherein ungeeignet.

Das heißt natürlich nicht, dass es unmöglich ist, 12 oder 24 Wörter auswendig zu lernen. Es gibt verschiedene Techniken, die Wörter zuverlässig im Gedächtnis zu behalten – von einfacher und kontinuierlicher Wiederholung bis hin zum Erfinden einer kreativen Geschichte oder eines Gedichts, das die Wörter direkt einbindet. Letzteres erleichtert das Merken durch den Kontext der Geschichte – oder durch Reime und Struktur des Gedichts. In jedem Fall erfordert es viel Übung, sofern man nicht von Natur aus mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet ist.
Unfälle
Doch selbst wenn die eigentliche Aufgabe des Auswendiglernen geschafft ist, bleibt das Risiko eines unerwarteten Gedächtnisverlusts immer bestehen. Paradebeispiel sind Unfälle, die – per Definition – unerwartet geschehen und deren Folgen nicht vorhersehbar sind. Autounfälle etwa führen häufig zu Schädel-Hirn-Traumata und Amnesie. Die Kfz-Versicherung mag vielleicht für Schäden am Auto aufkommen, aber nicht für die Bitcoin, die man nebenbei verloren hat. Das klingt hart, aber gerade dieses Risiko darf nicht ignoriert werden – und es ist einer der Hauptgründe, warum man sich nicht ausschließlich auf das Gedächtnis als Wallet-Backup verlassen sollte.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Die empfohlene Vorgehensweise, nur physische Wallet-Backups an sicheren und gut geschützten Orten zu lagern, hat nicht nur den Vorteil, die Seedphrase zuverlässig vor neugierigen Blicken zu schützen. Es schützt die Seedphrase auch vor einem selbst. Man kann keine Geheimnisse versehentlich ausplaudern, die man gar nicht kennt, etwa wenn man betrunken auf einer Party ist. Auch muss man so die Wörter nicht regelmäßig abrufen, um die Erinnerung aufzufrischen. Das allgemeine Risiko einer unbeabsichtigten Offenlegung der Wörter wird so minimiert, da der menschliche Faktor komplett herausgenommen wird, während die Seedphrase außer Reichweite sicher verwahrt bleibt.
Ein Backup für das Backup
Wie so oft kann auch die pauschale Aussage „Mach es nicht“ etwas mehr Nuance vertragen. Es gibt Szenarien, in denen es durchaus Sinn ergeben kann, sich die Seedphrase zusätzlich zu physischen Backups einzuprägen. Mehr Redundanz im Wallet-Setup schadet selten, und ein Backup, das man jederzeit im Kopf bei sich trägt, kann auch für ein beruhigendes Gefühl sorgen.
Trotzdem ist dieser Ansatz weit davon entfernt, wirklich notwendig zu sein. Er hilft nur in sehr speziellen Situationen, in denen man die eigene Wallet wiederherstellen muss, aber keinen Zugriff auf die physischen Backups hat. Die Hauptpriorität sollte allerdings immer auf den physischen Backups liegen, deren Standort, wenn auch gut versteckt, jederzeit zugänglich sein sollte. Wenn du dich dennoch fürs Auswendiglernen entscheidest, sollte es nur als optionale Ergänzung behandelt werden – und nicht als Kern der Backup-Strategie.
Grenzen überschreiten
Bitcoin ist eine revolutionäre Form von Geld. Es gibt Situationen, in denen die monetären Eigenschaften des Bitcoin-Netzwerks nicht nur praktische Vorteile sind, sondern überlebenswichtig werden. Stell dir einen Flüchtling vor, der aus seinem Heimatland flieht, in dem ein unterdrückendes Regime den Zugang zu allen Finanzinstitutionen kontrolliert und einschränkt. 12 englische Wörter im Kopf reichen aus, damit dieser Mensch sein gesamtes Vermögen mitnehmen kann, während er alles andere zurücklassen muss. Niemand kann ihn daran hindern – weil niemand davon wissen kann.
Gerade in solch extremen, aber keineswegs unrealistischen Szenarien zeigt sich, wie Bitcoin finanzielle Souveränität ermöglicht – und wo das Einprägen der Seedphrase nicht nur Sinn ergibt, sondern vermutlich sogar die beste Option darstellt.
12 Wörter
Du möchtest deine Seedphrase zusätzlich zu einem physischen Backup im Kopf behalten? Dann solltest du in Erwägung ziehen, eine Wallet mit 12 Wiederherstellungswörtern einzurichten – anstelle der standardmäßigen 24 Wörter. Offensichtlicher Vorteil: viel einfacher zu merken, aber trotzdem sicher.
Warnung: Erzeuge deine Wiederherstellungswörter immer komplett zufällig (z. B. mit einer BitBox oder durch Würfeln). Wähle die Wörter auf keinen Fall willkürlich nach Gefühl aus, etwa weil sie leichter zu merken sind.
Die 12-Wörter-Option kann bei der Einrichtung der BitBox unter den “Erweiterten Optionen“ aktiviert werden. Einfach den Schalter wie unten gezeigt aktivieren, und mit der Erstellung der Wallet und des Backups fortfahren.

Beachte, dass diese Auswahl nach Erstellung der Wallet nicht mehr geändert werden kann. Die Seedphrase ist der Generalschlüssel all deiner Konten und Adressen. Ändert man ihn, ändern sich auch alle anderen Schlüssel. Wenn man von 24 auf 12 Wiederherstellungswörter wechseln möchte (oder umgekehrt), muss die BitBox mehrfach zurückgesetzt, eine neue Wallet erstellt und bestehende Coins mit regulären Transaktionen übertragen werden. Dieser Prozess wird einfacher, wenn man Backups auf microSD-Karten nutzt – oder sogar eine zweite BitBox zur Verfügung hat.
Zusammenfassung
Die Seedphrase ist der einzige Schlüssel zu deinen Bitcoin. Anders als beim PIN-Code deines Smartphones, Passwörtern für Online-Dienste oder sogar dem Gerätepasswort der BitBox gilt: Wenn du sie vergisst, ist das ein endgültiger, irreversibler Verlust. Deshalb empfehlen wir immer, den Fokus auf sichere physische Backups zu legen und deren Sicherung nicht zu verkomplizieren. Das Einprägen der Seedphrase kann ein netter Zusatz sein, um mehr Redundanz zu schaffen – aber es sollte nicht der Kern deiner Backup-Strategie sein.
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